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Herbert Rauner über:

HÉLÈNE CIXOUS

*5. Juni 1937 in Oran (Algerien)

Schriftstellerin, Philosophin, Universitätsprofessorin (Anglistik); lebt und arbeitet in Paris und Arcachon

als Literaturwissenschaftlerin und Philosophin, vor allem aber als Roman- und Theaterautorin hat Hélène Cixous  seit 1967 etwa 75 Bücher veröffentlicht

 

Hélène Cixous' immer an der Matrix der französischen Sprache ausgerichtetes literarisches Werk bringt originelle und zugleich traditionsgesättigte Sprachkunstwerke hervor, deren Bezugspole die gesamte abendländische Literaturtradition in sich aufnehmen: Ihr experimenteller Schreibstil ist subjektivistisch, zuweilen changiert ihre Prosa in lyrische Passagen. Schreiben ist für Hélène Cixous weibliche Selbsterkundung und Selbstschaffung, dieser feministische Ansatz wurde von ihr insbesondere während ihrer akademischen Tätigkeit programmatisch entwickelt. Hélène Cixous schreibt radikal antitotalitär und prägt als dekonstruktive Sprachdenkerin (zusammen mit ihrem verstorbenen Freund Jacques Derrida) seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts die poststrukturale Literatur und Philosophie. Als Theaterautorin hat Hélène Cixous mehrfach für das Théatre du Soleil Ariane Mnouchkines geschrieben. Im Laufe der letzten Jahre greift  ihre immer stärker biographisch gegründete Prosa über personale Autorenperspektiven hinaus und gewinnt in ihrer Vielstimmig- und Vielschichtigkeit mythische Dimensionen.

 

Hélène Cixous' Werk verschränkt verschiedene kulturelle Stränge: (weibliche) Mythologie, Politik, Literaturwissenschaft, Tiefenpsychologie, Poststrukturalismus, Feminismus. Aus der Biographie der Autorin (Mutter aus deutsch-jüdischer Familie, Vater Kolonial-Franzose/Algerien) wirken jüdische, deutsche und maghrebinische Einflüsse in ihr stets französischsprachiges Oeuvre. Seit Beginn ihrer literarischen Arbeit experimentelle Schriftstellerin, entwickelt Cixous in ihren neueren Werken (ab Mitte der 90er Jahre) eine eigene Prosagattung: Die von ihr selbst so benannte "Autobiografiktion", in der die Erzählperspektiven einerseits an Personen aus ihrer eigenen Lebensgeschichte ausgerichtet sind (darunter sie selbst als Ich, ihre Eltern Georges und Ève sowie ihr Bruder Pierre), zugleich aber die Grenzen zwischen Fiktion, literarischen Figuren und eigener Vita aufgehoben werden. Cixous schreibt in ihren Werken die Traditionslinie der großen Bekenntnisliteratur fort: Augustin ("Confessiones"), Rousseau ("Les Confessions"), Jean Paul ("Selberlebensbeschreibung"), Goethe ("Dichtung und Wahrheit"). Cixous beruft sich zudem dezidiert auf literarische Vorgänger/innen: Michel de Montaigne, James Joyce, Franz Kafka, Sigmund Freud, Arthur Rimbaud, Walter Benjamin, Clarice Lispector, Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Jacques Derrida. Bei aller Gelehrsamkeit liegt der Hauptakzent ihres Schreibens aber auf existenziellen Themen und ist ein immer wieder neu ansetzender Versuch, die Bedeutung des Schreibens, der Schrift und der Sprache, für den einzelnen Menschen zu erkunden.

 

Hélène Cixous hat als Universitätslehrerin (Professorin für Anglistik, Gründerin des Centre d'Études féminines et d'Études de Genre (Zentrum für Frauenstudien) an der Université Paris VIII in Vincennes) immer gesellschaftlich gewirkt und als Autorin stets auch versucht, politisch zu wirken (Anti-Apartheid-Bewegung, Feminismus, Antikapitalismus). Cixous setzt sich für unterdrückte Minderheiten ein, lehnt aus ihrer kritisch-aufklärerischen Grundhaltung aber vereinfachende Denkbegriffe und Schematismen ab: vielmehr zerdenkt sie dieselben schreibend-schöpferisch und versucht deren humanen Gehalt zu reanimieren.

 

 

 

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