Helmut Behrens, geb. 1915, emeritierter ordentlicher Professor für anorganische Chemie an der Universität Erlangen-Nürnberg, beschreibt in diesem Band seine Zeit als Chemie-Student, wissenschaftlicher Assistent und Dozent an der Technischen Hochschule München zwischen 1933 und 1953. Der Autor, der dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüberstand und 1940 einen "Mischling 2. Grades" im Sinne der Nürnberger Gesetze, die Tochter des Rechtsanwalts und Schriftstellers Wilhelm Diess, heiratete, berichtet nicht nur über seine Lehrer und Kollegen an der TH München, wie Walter Hieber und Hans Fischer, und das Münchner Leben in den dreißiger und vierziger Jahren mit Licht- und Schattenseiten, sondern er reflektiert auch über die politischen Geschehnisse jener Jahre, ihre Ursachen und Auswirkungen. Ein Nachwort mit Angaben zur Person Helmut Behrens', zur Entstehungsgeschichte des Textes und mit Hinweisen zu weiterführender Literatur, ein Namensregister sowie Abbildungen aus Privatbesitz beschließen den Band.
In der vorliegenden Arbeit werden Arithmetik- und Algebralehrbücher von drei Würzburger Mathematikern des 18. Jahrhunderts analysiert. Es handelt sich um die Werke von Franz Huberti (1715-1789), Franz Trentel (1730-1804) und Andreas Metz (1767-1839). Diese drei Professoren standen jeweils in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis zueinander. Ihre Bücher haben die mathematische Lehre in Würzburg etwa 50 Jahre lang entscheidend geprägt. Im ersten Kapitel wird zunächst der geschichtliche Hintergrund beleuchtet (Situation der Philosophischen Fakultät im Würzburg des 18.Jahrhunderts, Biographien der Lehrbuchverfasser), im zweiten Kapitel folgt dann eine nähere Betrachtung der drei Lehrbücher (Auswahl und Anordnung der Inhalte, Aufbau und Gliederung, Terminologie, lateinische Sprache bei Huberti und Trentel im Gegensatz zur deutschen Sprache bei Metz usw.). Die Kapitel drei, vier und fünf befassen sich intensiv mit der verwendeten Axiomatik, den Definitionen und den Beweisen. Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse zusammengefaßt, gewertet und in einen größeren mathematikgeschichtlichen Zusammenhang eingeordnet.
Diese Arbeit weist nach, daß es genügend Gründe zu der Annahme gibt, eine bestimmte Weltanschauung, die in der Antike entstand, sei auf die Extrapolierung von erfolgreichen operativen Prozessen der praktischen Geometrie zurückzuführen. Im vorliegenden Fall handelt es sich dabei um die Übertragung der Geometrie, die insbesondere in der Architektur angewandt wurde, auf die Kosmologie. Diese Extrapolation kommt darin zum Ausdruck, daß man versuchte, die Welt in Begriffe zu fassen, die allesamt der Architektur und der in ihr praktisch angewandten Geometrie entlehnt waren, nämlich Proportion, Harmonie und Symmetrie. In dieser Arbeit wird der Versuch unternommen, dem Einfluß gewisser praktischer geometrischer Verfahren in der philosophischen Tradition nachzugehen und die Frage zu klären, inwieweit sich Verfahren aus dem Bereich der Geometrie des Bauwesens auf gewisse Aspekte der Kosmologie ausgewirkt haben könnten. Der betrachtete Zeitraum reicht von der Antike über das Mittelalter bis in die frühe Renaissance. Die Fallstudien lassen sich in zwei Gruppen einteilen: die einen beschäftigen sich mit den Techniken der praktischen Geometrie (der ägyptische Kanon und die ägyptische Architektur, Polyklet, Vitruv, Roriczer), die anderen mit ausgewählten Denkern und ihren Kosmologien (Anaximander, Pythagoras, Platon und Pacioli).
Es ist unbestritten, daß die deutsch-russischen Beziehungen die Entwicklung der Wissenschaft im Russischen Reich und in Westeuropa im 18. und 19. Jahrhundert erheblich beeinflußt und gefördert haben. Von den zahlreichen Forschern, die diesen Prozeß in Botanik und Pharmazie mitgestaltet haben, wurden drei Wissenschaftler, Johann Georg Model (1711-1775), Johann Gottlieb Georgi (1729-1802) und Carl Christoph Traugott Friedemann Goebel (1794-1851), ausgewählt, deren Leben und Werk näher betrachtet wurden. Alle drei waren vor ihrer Übersiedlung nach Rußland als Pharmazeuten in Deutschland ausgebildet worden und tätig gewesen. Nach ihrer Übersiedlung verbrachten sie über 20 Jahre ihres Lebens in Rußland. Sie stellen den Prototyp eines in Rußland tätigen westeuropäischen Naturforschers dar: Model wirkte um die Mitte des 18. Jahrhunderts, im Zeitalter des Spätbarock, Rationalismus und der Aufklärung, Georgi am Ende des 18. Jahrhunderts, im Zeitalter der Französischen Revolution, und Goebel um die Mitte des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Restauration, Revolution und des aufkommenden Nationalismus in Europa. In Rußland wurden im 18. und 19. Jahrhundert viele Anstrengungen von seiten der Regierungen unternommen, westliche Wissenschaftler in das Land zu holen und ihre Tätigkeit zu fördern, um den allgemeinen wissenschaftlichen und ökonomischen Stand des Landes zu heben. Model, Georgi und Goebel erhielten dadurch eine Chance, eine ihren Neigungen und Persönlichkeiten entsprechende vielseitige naturwissenschaftliche Forschung zu betreiben, die ihnen zu Hause nicht möglich gewesen wäre. Fachlich hatten alle drei gemeinsam, daß sie den Zugang zu wirksamen Drogen von der chemisch-pharmazeutischen Seite her suchten, wobei sie nicht nur die Objekte von wissenschaftlichem Interesse gesammelt haben, sondern in erster Linie ihre wissenschaftliche Untersuchung und Auswertung vornahmen. Aufgrund der Förderung durch die russische Regierung wurden dabei ökonomisch relevante Fragestellungen besonders betont. Model, Georgi und Goebel waren an den bedeutendsten Umschlagsplätzen der Wissenschaftsbeziehungen zwischen Rußland und Westeuropa, St. Petersburg bzw. Dorpat, tätig. Da die Universitäten in Rußland verhältnismäßig spät gegründet wurden, hatte nur der jüngste von den dreien, Goebel, eine Professur an der im Jahre 1802 neu eröffneten Universität Dorpat erhalten. Georgi war als aktives Mitglied an der Petersburger Akademie der Wissenschaften tätig, während Model hauptberuflich das Amt des Direktors der St. Petersburger Oberapotheke innehatte.
Nicolaus Reimers (Reymers, Raimarus, Raymarus) Ursus (1551-1600) ist Vorgänger von Tycho Brahe und Johannes Kepler im Amt des kaiserlichen Mathematikers bei Rudolph II. in Prag, wurde von Heinrich Rantzau gefördert, war befreundet mit Jost Bürgi in Kassel und kannte dessen Entwicklungen in der Algebra (Coss) und der Trigonometrie (Prosthaphaerese), für den er auch De Revolutionibus des Copernicus ins Deutsche übersetzte. Sein Weltsystem im Fundamentum Astronomicum stellt einen Kompromiß zwischen dem Wunsch nach einer zentralen Stellung des Menschen auf der Erde und der Bewegung der Planeten um die Sonne dar. In der Arithmetica Analytica beschreibt er sein Wissen in der Entwicklung der Algebra und ein Verfahren zur Lösung ganzrationaler Gleichungen, das unserer Polynomdivision entspricht. Nicolaus Reimers wurde am 2. Februar 1551 in Dithmarschen/Schleswig-Holstein geboren; er besuchte nie eine Lateinschule, war Schweinehirt bis zu seinem 18. Lebensjahr und erlernte erst dann autodidaktisch Lesen und Schreiben, Latein und Griechisch. Er war 1574-1584 Landmesser bei Heinrich Rantzau, besuchte 1584 Tycho Brahe auf dessen Insel Hven und 1586/87 Jost Bürgi in Kassel, hielt sich 1587-1591 an der Akademie in Straßburg auf, wo er Conrad Dasypodius kennenlernte. Seit 1591 lebte er in Prag, wo 1597 sein Chronotheatron erschien, eine Chronologie von 2400 v. Chr. bis auf seine Zeit. Ursus stirbt am 16. Oktober 1600 in Prag.
1924 reichte Richard Willstätter (1872-1942), Nobelpreisträger und ordentlicher Professor für Chemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, seinen Rücktritt ein, da er mit seinen Fakultätskollegen bei Berufungsfragen nicht mehr übereinstimme. Die Presse machte daraus einen "Universitätsskandal", und spätestens seit dem Erscheinen der Autobiographie Willstätters 1949 gilt es als erwiesen, daß er wegen antisemitischer Einflüsse in der Fakultät, speziell bei der Diskussion um die Nachfolge Paul von Groths (Lehrstuhl für Mineralogie und Kristallographie), zurücktrat. In dieser Studie werden erstmals die Berufungspraxis der Philosophischen Fakultät II. Sektion (d.h. der Naturwissenschaftler) der Universität München in der ersten Hälfte der zwanziger Jahre und die Hintergründe der "Freiresignation" Willstätters anhand zeitgenössischer Akten und Briefwechsel beleuchtet. Dabei zeigt sich, daß der Sachverhalt komplexer und teilweise anderer Art war, als bisher angenommen.
1939 übernahm Wilhelm Müller, seit 1934 Ordinarius für Mechanik an der Technischen Hochschule Aachen, den Lehrstuhl für theoretische Physik der Universität München. Den "denkbar schlechtesten Nachfolger" nannte ihn sein illustrer Vorgänger Arnold Sommerfeld, und als solcher ging Müller in die Geschichte der Physik im "Dritten Reich" ein. Bisher war relativ wenig über diesen Mann bekannt; selbst seine Berufung nach München wurde lediglich als Epilog der erfolglosen Bemühungen um Werner Heisenberg als Nachfolger Sommerfelds und als "Pyrrhus-Sieg" einer "Deutschen Physik"-Bewegung behandelt. Die vorliegende, durch zahlreiche Zitate aus zeitgenössischen Quellen bereicherte Biographie beleuchtet intensiv diese Aspekte und ihre Folgen für Müller nach 1945, wodurch auch neue Einschätzungen möglich werden. Darüber hinaus wird erstmals ein Gesamtbild Müllers entworfen, der nicht nur eine Reihe von Arbeiten und Lehrbüchern zur Mechanik der Kontinua verfaßte, sondern zudem, teilweise unter dem Namen Wilhelm Müller-Walbaum, zwischen 1920 und 1965 geradezu eine zweite Existenz als "philosophischer" bzw. "politischer" Autor führte.
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